Vorsitzender der Partei für Sandzak sieht den Versuch einer Diskriminierung der Sandzak-Muslime
Belgrad, 23.1.2002, FONET, serb.
Quelle: dw-world.de/dw/article/0,2144,418582,00.html
Der Vorschlag einer verfassungsrechtlichen Lösung, der von der Demokratischen Partei Serbiens gemacht wurde, hat zu Unzufriedenheit in den politischen Kreisen des Sandzak geführt. Das berichtet Sanapress. Der Vorsitzende der Partei für Sandzak, Fevzija Muric, sagte, es werde versucht, die Bosniaken im Sandzak mit diesem Vorschlag zu diskriminieren. Nach angaben Murics ist der Sandzak eine natürliche geographische, kulturelle und politische Einheit. „Jede Lösung, in der der Sandzak nicht als gleichberechtigte Einheit, Autonomieregion, Republik oder Provinz vorgesehen ist, ist für uns unannehmbar. Der Sandzak sollte gleichberechtigt mit Sumadija, Belgrad oder der Vojvodina sein. Der Sandzak sollte kein Distrikt und keine Region sein, wenn Sumadija eine Republik oder Provinz sein wird“, unterstrich Muric. Er sagte, das Thema Sandzak stehe häufig im Schatten anderer politischer Probleme und fügte hinzu, diese Praxis müsse beendet werden.
Muric wies auch auf den Umstand hin, dass die Gemeinden des Sandzak sich in Richtung Uzice orientierten, was ein Fehler sei, weil Novi Pazar wirtschaftlich expandiere, während Uzice sich im Zustand des Zusammenbruchs befinde und zurückgefallen sei. (…)
Der stellvertretende Vorsitzende des Bündnisses Liste für Sandzak, Bajro Omeragic, sagte, er könne auf der Grundlage allein von Presseberichten kein Urteil über den Vorschlag fällen. Omeragic betonte, er wisse nicht, ob Serbien sich mit diesem Vorschlag vorrangig als Bürgergesellschaft definiere. „Wir glauben, dass, wenn dieser Staat wirklich demokratisch und stabil sein will, eine ernsthafte öffentliche Diskussion über solche Fragen erforderlich ist, bei der Experten mitreden. Wir hoffen, dass Vertreter der 30 Prozent der Bürger, die nicht zur Mehrheitsvolksgruppe gehören, in diese Gespräche einbezogen werden“, so Omeragic.
Ein NGO-Bürgerforum erklärte in einer Veröffentlichung, die plötzliche Sorge der DSS um die Regionalisierung in Serbien vor einer Regelung der Beziehungen innerhalb der BRJ (Bundesrepublik Jugoslawien – MD) sei ein reines Improvisieren in Fragen der Regionalisierung und Dezentralisierung. (MK)