Roy Gutman / David Rieff (Hrsg.): Kriegsverbrechen
September 6, 2002 von bosnawi
Von Petra Kohnen
Definitionen und Erklärungen zahlreicher Begriffe im Zusammenhang mit Kriegsverbrechen. Das rund 530 Seiten umfassende Buch dient als Nachschlagewerk für Politiker, Journalisten, Juristen, Mitarbeiter humanitärer Organisationen und Militärangehörige, für deren tägliche Arbeit es von großem Nutzen ist.
Quelle: dw-world.de/dw/article/0,2144,101771,00.html
“Der Konflikt in Bosnien-Herzegowina, der im April 1992 begann und im November 1995 endete, ist auf der ganzen Welt zum Inbegriff eines Krieges der ethnischen Säuberung geworden. Es war das brutalste, was sich seit dem Zweiten Weltkrieg in Europa abgespielt hatte und die Zerstörung des kleinen Vielvölkerstaates rief die Erinnerung an die Ruinen in Deutschland nach der Bombardierung durch die Alliierten wach. Die Methoden der ethnischen Säuberung, die zur Gebietseroberung angewandt wurden, ließen sämtliche Lektionen des Zweiten Weltkriegs außer acht, die in den Genfer Konventionen ihren Niederschlag gefunden hatten.”
So beginnt einer von nahezu 130 Artikeln im Handbuch Kriegsverbrechen. Was jeder wissen sollte, das Roy Gutman und David Rieff herausgegeben haben. Die Einführung in die Fallstudie zeigt bereits, wie schnell derartige Kurzanalysen überholt sein können. Wer an die Grausamkeiten im Kosovo denkt, weiß, dass es durchaus noch Steigerungsmöglichkeiten von Gewalt und Vertreibung gibt.
Nachschlagewerk
Das tut der rund acht Seiten umfassenden Analyse von Florence Hartmann, die für Le Monde von 1989 bis 1994 als Korrespondentin aus Bosnien berichtet hat, aber keinen Abbruch. Die Entwicklung von der Aufhetzung zum Völkermord bis hin zu den Konzentrationslagern wird klar herausgearbeitet.
Das Handbuch definiert und erklärt zudem zahlreiche Begriffe, die im Zusammenhang mit Kriegsverbrechen stehen, von Aushungerung über Guerilla und Kollateralschaden bis hin zur Zwangsarbeit. Das rund 530 Seiten umfassende Buch dient als Nachschlagewerk, das Kriegsverbrechen auch mit 120 Fotos festhält.
Fotografische Nachweise
So sind in der Fallstudie über Kambodscha Folteropfer der Roten Khmer fotografisch abgebildet. Verwiesen wird zudem auf die traurige Tatsache, dass die Roten Khmer mit makabrer bürokratischer Präzision ihre Opfer fotografiert haben, bevor sie gefoltert und ermordet wurden.
Der Artikel, der den Begriff Todesschwadronen erklärt, zeigt auf einem Foto die Mano Blanca, die weiße Hand an der Tür eines Opfers. Salvadorianische Todesschwadronen, die Menschen entführten und töteten, hinterließen ihren in weiße Farbe getauchten Handabdruck als Symbol, als Zeichen ihrer Macht.
Die Todesschwadronen, die Guatemala terrorisierten, waren Experten; im Foltern, Verschwindenlassen und Hinrichten. Während des unerklärten Bürgerkriegs der guatemaltekischen Militärregierung gegen ihr eigenes Volk Anfang der 80er Jahre war nahezu niemand vor ihnen sicher.
Für die tägliche Arbeit
Die Herausgeber haben ihren Untertitel Was jeder wissen sollte gut gewählt. Ihre Zielgruppe sind Politiker, Journalisten, Juristen, Mitarbeiter humanitärer Organisationen, Militärangehörige und alle, denen Menschenrechtsverletzungen nicht gleichgültig sind.
Für die tägliche Arbeit dieser Leser ist es zweifelsfrei wichtig, schnell nachlesen zu können, was hinter Experimenten zur biologischen und chemischen Kriegsführung steckt, wer geschützte Personen sind oder wie Gesundheitsfürsorge in Kriegsgebieten gewährleistet werden kann.