Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte bosnisch-serbische General Ratko Mladic verhandelt Medienberichten zufolge mit den Behörden darüber, sich zu stellen
Quelle: www.zeit.de/online/2006/08/mladic
Das Schicksal des als Kriegsverbrecher gesuchten bosnisch-serbischen Generals Ratko Mladic ist weiterhin unklar. Obwohl die serbische Regierung Meldungen über eine Festnahme dementiert hatte, berichten mehrere bosnisch-serbische Zeitungen, die Behörden verhandelten mit Mladic darüber, sich zu stellen. Er befinde sich an einem sicheren Ort. Den Angaben zufolge ist Mladics Versteck in den letzten Tagen entdeckt worden. Die Regierung hatte zuvor erklärt, Meldungen über eine Festnahme seien »Desinformationen« und »Manipulationen« und erschwerten die Überstellung von Mladic an das UN-Kriegsverbrechertribunal.
Der bosnische Fernsehsender BN hatte berichtet, Mladic sei am Dienstagnachmittag im westserbischen Grenzgebiet zu Bosnien festgenommen und sofort zum Nato-Stützpunkt im bosnischen Tuzla geflogen worden. Von dort solle er in die Niederlande gebracht werden, hieß es.
Der ansonsten gut informierte Belgrader Sender B92 beharrte am Abend auf seiner Version der Festnahme von Mladic, der seit zehn Jahren auf der Flucht ist. Die serbischen Behörden hatten noch am Dienstag beteuert, dass der Fall Mladic in der »kürzest möglichen Zeit« gelöst werde. Mladic ist unter anderem wegen des Massakers an 8000 bosnischen Muslimen in Srebrenica im Jahre 1995 angeklagt.
»Es ist im Interesse der Serben, dass diese Last von ihrem Gewissen und von dem Land genommen wird«, hatte der serbische Außenminister Vuk Draskovic vor zwei Wochen in Berlin gesagt. Serbien-Montenegro hatte die volle Kooperation mit dem UN-Kriegsverbrechertribunal zugesagt und sei »optimistisch« über eine »baldige« Überstellung des ehemaligen Serbenführer Radovan Karadzic und von Mladic nach Den Haag. Die Frist sei schon lange verstrichen, dass »diese vor dem Recht Flüchtigen« in Den Haag erschienen. »Da gibt es nichts zu verheimlichen und zu rechtfertigen«, betonte Draskovic.
Die Chefanklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals, Carla Del Ponte, hatte der serbischen Regierung seit längerem vorgeworfen, sie kenne den Aufenthaltsort von Mladic. Die internationale Gemeinschaft erhöhte in den vergangenen Monaten den Druck auf Belgrad, Mladic endlich festzunehmen. Serbien-Montenegro will am 27. Februar mit der EU Gespräche über ein Assoziierungsabkommen beginnen, den ersten Schritt auf dem Weg zur Mitgliedschaft. Brüssels Vorbedingung ist jedoch die »umfassende Zusammenarbeit« Belgrads mit dem UN-Tribunal.
Deutschen Medienberichten zufolge sind Karadzic und Mladic zur Aufgabe bereit, verlangten aber jeder fünf Millionen Euro für ihre Familien und ihre wichtigsten Helfer. Am Montag hatte ein Vertrauter des serbischen Regierungschefs Vojislav Kostunica die Möglichkeit einer baldigen Verhaftung Mladics angedeutet.