Blick auf den Nachbarn
Februar 18, 2008 von bosnawi
Von Elma Fakic und Erdin Kadunic, Sarajevo
Tadics Sieg findet in Bosnien-Herzegowina geteiltes Echo.
Quelle: www.islamische-zeitung.de
Die Wiederwahl von Staatspräsident Boris Tadic wurde mit regem Interesse in Bosnien-Herzegowina verfolgt. Einer Vielzahl von Bosniern wäre ein Sieg des Ultranationalisten Tomislav Nikolic allerdings lieber gewesen. Während die serbische Präsidentschaftswahlen in Pristina nur wenig Interesse bei der albanischstämmigen Bevölkerung hervorrief und die Berichterstattung über den Rückrundenstart der deutschen Fußball-Bundesliga auf den Bildschirmen in den Bars der Kosovo-Hauptstadt weitaus präsenter war, sah die Situation in Sarajevo und Bosnien-Herzegowina anders aus. Mit Spannung erwarteten die Einwohner des Landes die ersten Hochrechnungen, die über das serbische Staatsfernsehen RTS verfolgt wurden. Tage zuvor als auch nach der Wahl diskutierte man in diversen bosnisch-herzegowinischen Medien, welche serbische Präsidentenoption Nutzen und Schaden für das Land hat. Im Kosovo ist die Frage der Unabhängigkeit wohl nur noch eine Frage des Termins ist, so dass das dortige Interesse gering war. In Bosnien-Herzegowina jedoch, so sind sich Bevölkerung und Analytiker einig, ist das letzte Wort bezüglich der Zukunft Bosniens noch nicht gesprochen, auch wenn von allen Seiten immer wieder betont wird, dass die Frage des Kosovos mit Bosnien-Herzegowina nicht parallel betrachtet werden kann. In der euphorisch gehaltenen Siegesrede von Boris Tadic bedankte sich der neue serbische Präsident dabei den Wählern in der Diaspora, die ihm ihre Stimmen gegeben haben. Dabei nannte er zweimal Montenegro, Kroatien. Mazedonien, erwähnte ebenso die Republika Srpska ohne dabei Bosnien-Herzegowina als Staat zu nennen, was Missmut bei den Bosniern hervorrief.
Grund für dieses Misstrauen hat der in Sarajevo geborene serbische Präsident Boris Tadic in zahlreichen Einzelbesuchen der Republika Srpska gezeigt. In seinen Besuchen Banja Lukas ohne dabei nach Sarajevo zu fahren, sprachen Tadic als auch der Premier der Republika Srpska Milorad Dodik immer wieder von den speziellen und besonderen Verbindungen zwischen der Republika Srpska und der Republik Serbien. Auch Dodik ist ein gern gesehener Gast bei Tadic in Belgrad, der sich dabei den Rückenwind für seine Politik in Bosnien holt. Nicht verwunderlich dabei, dass Dodiks Wahlempfehlung vor den Wahlen für Boris Tadic war und nicht für Nikolic. Nikolic, der im Interview mit der größten bosnischen Tageszeitung „Dnevni Avaz“ Milorad Dodik als Idioten titulierte und ihn aufforderte viel offensiver die Loslösung der Republika Srpska von Bosnien-Herzegowina zu betreiben, passt nach Aussagen politischer Analytiker wohl auch Dodik nicht. Trotz der europafreundlichen Haltung Tadics, die sich auch in den Umfragen des Belgrader Meinungsforschungsinstitut CESID widerspiegeln, sehen die Bosnier in Tadic den „aalglatten pro-europäischen Nationalisten, der mit gespaltener Zunge spricht“. Nach Umfrageergebnissen über das ideologische Profil ist Tomislav Nikolic der Mann, der ein offener Nationalist mit anti-europäischer Haltung ist und die Politik von Slobodan Milosevic verteidigt. „Tadic passt besser zu Dodik, der sich nicht in die Karten schauen lassen will. Es ist eine andere Verpackung mit der gleichen Idee“, meint der 31-jährige Politologe Erol Raduljic, der wie viele andere die Wahlergebnisse im Fernsehen verfolgte.
Das die Wahlen in Serbien auch immer wieder Wahlen für die bosnische Innenpolitik sind, zeigen auch andere zahlreiche Einmischungen serbischer Politiker in interne bosnische Angelegenheiten. Als der serbische Premierminister Vojislav Kostunica im November letzten Jahres den Erhalt des Kosovo innerhalb der serbischen Grenzen und den Erhalt der bosnischen Serbenrepublik zur Chefsache erklärte, wurde dieser vom Vorsitzenden des bosnischen Staatspräsidiums Zeljko Komsic mit den Worten „Kostunica sollte lieber die Finger von Bosnien lassen, sonst könnte er, wie sein Vorgänger Slobodan Milosevic, eins auf die Nase bekommen.“ gemaßregelt. Serbiens Präsident Tadic, der kein Freund Vojislav Kostunicas ist, forderte daraufhin von Bosnien eine offizielle Entschuldigung für die Beleidigung seines Premiers. Eine Sitzung der Igman- Initiative, ein Zusammenschluss von über 100 Nichtregierungsorganisationen aus Serbien, Bosnien und Kroatien, die für ein besseres Verhältnis der drei Länder arbeitet, sagte Tadic daraufhin als Gastgeber ab. Auch der Rücktritt des bosnischen Ministerpräsidenten Nikola Spiric, ein Serbe, der im Oktober 2007 eine künstliche politische Krise hervorrief, soll auf den Geheiß Belgrads geschehen sein.
Auf die Unterstützung von Tadic kann Dodik auch in Zukunft ganz sicher sein. Nikolics offene und offensive nationalistische Haltung würde den zum großen Teil weichgespülten bosnisch-serbischen Nationalisten längerfristig schaden. Mit Tadic haben sie nun einen Mann, der von Europa unterstützt sich abermals für eine differenzierte Betrachtung Bosnien-Herzegowinas und der Republika Srpska einsetzen könnte. Gerade diese undurchsichtige Haltung des serbischen Präsidenten gibt den Politikern in der Republika Srpska immer wieder neue Hoffnungen, dass die Grenzziehung in Bosnien-Herzegowina noch nicht beendet ist. Die klaren Signale, wie sie der kroatische Präsident Stjepan Mesic den bosnischen Kroaten in Bosnien immer wieder sendet, sind bei Boris Tadic so nicht zu erkennen.
Hallo, wollt die nur auf die Migrantenblog-Parade von Jurblog hinweisen. Habe deinen Blog zwar auch dort empfohlen, der Betreiber nimmt aber glaub ich nur Blogs mit Impressum auf. Solltest du sowieso vorhaben, ein Impressum einzubauen, wäre jetzt die Zeit :). Die Parade wird sonst zu “türkenlastig” (bin selbst Türke).
MfG
Engin